Die Vorgeschichte - Ein Stadtteil erwacht
Die Geschichte von St. Adalbero beginnt mit dem Fall der Würzburger Stadtmauern im Jahr 1867. Wo einst Festungswerke die Expansion verhinderten, entstand in der Sanderau ein neuer, pulsierender Stadtteil. Da die Mutterpfarrei St. Peter und Paul dem enormen Bevölkerungswachstum kaum mehr gerecht werden konnte, gründeten beherzte Bürger am 7. Januar 1875 den Kirchenbauverein. Engagierte Bürger sammelten über Jahrzehnte Spenden, um ein geistliches Zentrum für den Würzburger Süden zu schaffen.
Mut zum Großen - Planung und Bau
Dank hochherziger Gönner wie Prof. Dr. theol. Franz Adam Göpfert und Joseph Urlaub, der 1890 den Bauplatz schenkte, konnte ein Bauwerk von Weltrang geplant werden. Der Architekt Franz Josef Ritter von Denzinger und sein Nachfolger Joseph Schmitz entwarfen den „Sanderauer Dom“. Am 22. September 1895 wurde der Grundstein zu Ehren des hl. Adalbero gelegt. In nur vier Jahren (1896–1899) wuchs die mächtige Architektur empor – ein Zeugnis bürgerlicher Kraft und unerschütterlichen Glaubens.
1901 - Die Geburtsstunde einer 125-jährigen Tradition
Obwohl die Bauarbeiten 1900 abgeschlossen waren, verhinderte das „Urlaub’sche Haus“, das unmittelbar vor dem Hauptportal stand, die offizielle Konsekration. Doch die Gemeinde wollte nicht länger warten. Am 13. Oktober 1901 wurde die Kirche feierlich benediziert (gesegnet). Mit diesem Akt begann das liturgische Leben in der Sanderau. Das erste Hochamt, die erste Christmette und die erste Jahresschlussandacht im selben Jahr markieren den Beginn einer ungebrochenen Tradition. Dieses Ereignis im Jahr 1901 ist der Grundstein für unser heutiges 125-jähriges Jubiläum im Jahr 2026. Die 1902 angeschafften sechs Glocken galten als das klangvollste Ensemble Würzburgs. Die Bedienung war Schwerstarbeit. Allein für die schwerste 29 Zentner Glocke brauchte es vier kräftige Männer, die den Klöppel teils mit akrobatischem Einsatz unter der schwingenden Glocke bedienen mussten. Da die Stadt den Abriss des Urlaub’sche Haus aufgrund der herrschenden Wohnungsnot jahrelang verweigerte dauerte es unglaubliche 34 Jahre, bis das Haus am 1. Juli 1934 endlich fiel und Bischof Matthias Ehrenfried die feierliche Konsekration vollziehen konnte.
Katastrophe - Der 16. März 1945
Nach Jahren des Wachstums und der offiziellen Pfarreierhebung (1914) folgte das dunkelste Kapitel. In der Bombennacht des 16. März 1945 wurde St. Adalbero schwer getroffen. Brand- und Sprengbomben vernichteten die Dachstühle; die enorme Hitze ließ die prachtvollen Kreuzgewölbe im Haupt- und in den Seitenschiffen einstürzen. Die Türme brannten vollständig aus und ragten als verkohlte Skelette über die Ruinen der Sanderau. Einzig die Marienkapelle blieb wie durch ein Wunder unversehrt und diente der Gemeinde in der Nachkriegszeit als erste Zufluchtsstätte. Der Verlust der wertvollen Glasfenster und des kunstvollen Sandsteinbodens schmerzte tief, doch Altäre und Kreuzweg überdauerten das Inferno.
Der Weg zurück - Vom Provisorium zum Glanz
Der Wiederaufbau war ein Kraftakt über Generationen. Das Provisorium (1945–1952)
In der Notzeit wurde die Kirche mit einem Notdach gesichert. Statt der hohen Gewölbe zog man flache, dunkle Decken ein – ein funktionales, aber bedrückendes Provisorium, das fast 40 Jahre Bestand haben sollte. Nachdem das Geläute im Krieg für Rüstungszwecke beschlagnahmt worden war (nur die kleinste Glocke blieb erhalten), wurden 1954 drei neue Glocken geweiht, um der Sanderau ihre Stimme zurückzugeben.
Die große Rekonstruktion (1989–1992)
Unter Pfarrer Adalbert Dolata und Architekt Walter Väth gelang das Unmögliche. Die Flachdecken wurden entfernt und die Kreuzgratgewölbe in ihrer ursprünglichen Höhe neu eingezogen. Die Öffnung der Kuppel flutete den Raum wieder mit Licht, und die historische Farbigkeit wurde detailgetreu wiederhergestellt. In der Mitte der Vierung wurde ein neuer Kreuzaltar errichtet. In ihn wurde die kostbare Reliquie des hl. Adalbero eingesetzt. Es handelt sich dabei um einen Schrein aus vergoldetem Messing mit Glaswänden, in dem eine Rippe des Pfarrpatrons Adalbero aufbewahrt wird. Auch an diesem Reliquiar ist die Brandnacht des 16. März 1945 nicht spurlos vorübergegangen. Die Einweihung der neuen Rensch-Orgel 1995 mit 52 Registern auf drei Manuale verteilt, deren farbliche Gestaltung das Licht der Kirchenfenster widerspiegelt, krönte die Restaurierung und gab dem „Sanderauer Dom“ seine majestätische Akustik zurück. Im Jahr 1992 erfuhr das Geläut eine Ergänzung um eine Glocke, womit nunmehr die historische Vollständigkeit des Ensembles durch ein einzige noch fehlende Glocke vollendet werden könnte. Auch die Gebäude um die Kirche entwickelten sich stetig weiter – vom Erwerb des „Hutten’schen Felsenkellers“ 1932 als Gemeindehaus in der Randersackererstraße über das erste Pfarrzentrum an der Kirche 1971 bis hin zum modernen „Haus der Kirche“, das im Juli 2016 eingeweiht wurde.
2026 - Ein Jubiläum der Gemeinschaft
Feiern Sie mit uns! Im Rahmen unseres Jubiläums laden wir Sie herzlich zu verschiedenen Begegnungen und Gottesdiensten ein.
Karl Heinz Bohn
Quellennachweis: Pfarrei St. Adalbero Würzburg: 100 Jahre St. Adalbero Würzburg. Festschrift zum Jubiläum Würzburg 2001. Archiv St. Adalbero


































